[BILD: kaputter Schalter neben dem gedruckten Ersatzteil]

Ein abgebrochener Clip, ein gerissener Schalter, eine Endkappe, die es nirgends mehr gibt: Oft ist es ein kleines Kunststoffteil, das ein ansonsten gutes Gerät unbrauchbar macht. Mit dem 3D-Druck lässt sich so ein Teil nachbauen, auch wenn es keine Zeichnung und keine Datei gibt. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie das abläuft und was Sie selbst vorbereiten können.

Wann sich ein gedrucktes Ersatzteil lohnt

Ein Nachbau lohnt sich vor allem dann, wenn der Hersteller das Teil nicht mehr liefert, wenn nur das ganze Gerät als Ersatz angeboten wird oder wenn die Wartezeit auf das Originalteil zu lang ist. Typische Beispiele aus meiner Werkstatt sind ein Lichtschalter für eine Dunstabzugshaube, Endkappen für ein Wohnmobil oder ein Tischfuß mit Höhenverstellung.

Schritt 1: Das Teil fotografieren und vermessen

Am besten ist das Originalteil selbst, auch wenn es gebrochen ist. Wenn Sie es nicht schicken möchten, reichen meist gute Fotos. Fotografieren Sie das Teil von mehreren Seiten und legen Sie ein Lineal oder ein Maßband daneben. So kann ich die Größe gut einschätzen.

Wichtig sind außerdem die Maße an den Stellen, an denen das Teil mit anderen Teilen verbunden ist: Bohrungen, Zapfen, Rastnasen. Ein Messschieber ist dafür ideal, weil er auf Zehntelmillimeter genau misst.

Schritt 2: Einsatz und Belastung beschreiben

Damit ich den richtigen Kunststoff wählen kann, brauche ich ein paar Angaben zum Einsatz. Wird das Teil warm, zum Beispiel über dem Herd oder im Auto? Ist es draußen in der Sonne? Muss es nachgeben oder fest sitzen? Je genauer Sie das beschreiben, desto länger hält das neue Teil.

Schritt 3: Modell und Material festlegen

Aus Ihren Fotos und Maßen zeichne ich ein 3D-Modell. Dabei schaue ich mir auch an, warum das Original gebrochen ist. Oft lässt sich genau diese Stelle verstärken, zum Beispiel durch eine etwas dickere Wand oder eine Rundung statt einer scharfen Kante.

Beim Material gilt: PETG ist robust und vielseitig, ASA verträgt Wärme und Sonne, TPU ist gummiartig und eignet sich für Puffer und Clips. Welcher Kunststoff passt, entscheiden wir gemeinsam.

Schritt 4: Druck, Anprobe und Feinschliff

Nach dem Druck probieren Sie das Teil ein. Passt alles, ist die Reparatur erledigt. Klemmt etwas, passe ich das Modell an und drucke neu. Bei kniffligen Teilen drucke ich vorher auch gern eine schnelle Probe, damit die Passung von Anfang an stimmt.

Wann ein gedrucktes Ersatzteil nicht geeignet ist

Nicht jedes Teil sollte gedruckt werden. Sicherheitsrelevante Bauteile, zum Beispiel an Bremsen oder Gurten, Teile mit direktem Lebensmittelkontakt und Teile für medizinische Anwendungen fertige ich grundsätzlich nicht. Wenn der 3D-Druck für Ihr Teil nicht passt, sage ich Ihnen das ehrlich.

Fazit

Ein kaputtes Kunststoffteil ist selten ein Grund, ein ganzes Gerät wegzuwerfen. Mit Fotos, ein paar Maßen und einer kurzen Beschreibung des Einsatzes lässt sich in den meisten Fällen ein passender Nachbau fertigen.